Schreibtipps

Das Regalprinzip: Gegen Schreibstau, Schreibblockaden oder Endlosmanuskripte

Sie haben seit Langem gute Ideen für mindestens 15 Geschichten, zwei Romane und drei Reise- und Erfahrungsberichte? Doch kaum haben sie schwungvoll-rasant angefangen, wird das Schreiben zähflüssiger und zähflüssiger, geraten Sie trotz oder gerade vor lauter überschäumender Ideen in einen Schreibstau und dann in eine Totalsperrung oder eine Schreibblockade und hören schließlich auf? Das Problem liegt meist darin, dass Schreibanfänger wie Fortgeschrittene glauben, sie müssten sich Schritt für Schritt voll chronologisch von A bis Z durch alle geplanten Kapitel vorarbeiten und das steht voll ausformuliert, immer im gleichen Modus, in der gleichen Erzählperspektive und dem gleichen Texttyp. Doch das ist a) langweilig und b) problematisch, denn sobald auch nur ein Fantasie-, Recherche-, Stil- oder anderes Problem auftaucht, glaubt man, ausgebremst zu sein und aufhören zu müssen.

Darum mein Tipp: Werfen Sie diese rein chronologische und gleichförmige Methode über Bord!

1) Planen Sie den Plot Ihrer Geschichte von Anfang bis Ende und notieren sie ihn.

2) Bestimmen sie die erzählte Zeit, z.B. ein Jahr, und planen Sie Kapitel, z.B. zwölf Kapitel für zwölf Monate.

3) Stellen Sie sich Ihr geplantes Buch als einen Laden und die zwölf Kapitel als zwölf Regale vor. Die Grundideen für die Kapitel bilden dabei Ihre Gerüste/Ständer/Aufsteller/Regale. Wer einen Laden einrichtet, der Kunden (Leser) ansprechen soll, würde sich ja auch nicht ausschließlich auf ein Regal versteifen und die anderen gelieferten Waren so lange auf den Boden werfen, sondern er würde beginnen, alle Regale zu befüllen, seine Waren (Ideen) auf alle Regale (Kapitel) zu verteilen. Was Ihr Buch anbelangt, bedeutet das ein rasches Erfolgserlebnis, mehr Übersicht und vor allem den Vorteil, das Ende zu kennen. Schon etwas im letzten Kapitel stehen zu haben, bedeutet, darauf zuschreiben zu können. Außerdem muss nicht für jedes Kapitel im gleichen Erzählmodus, Erzählperspektive und Texttyp gearbeitet werden. In einigen Kapiteln können Sie narrativ-erzählerisch und detailreich in scheinbarer 1:1-Figurenhandlungszeit schreiben, für andere Kapitel können Sie streckenweise mit Deskription (Berichterstattung) aus Sicht eines auktorialen Erzählers abkürzen und zusammenfassen, was binnen Wochen, Monaten oder Jahren geschah. Ein anderes Kapitel können Sie mit einem Zeitungsausschnitt, einem Brief oder einer Postkarte beginnen. Das bringt nicht nur den Lesern Abwechslung, sondern auch Ihnen beim Schreiben. Das deskriptive Zusammenfassen von Handlung verhindert außerdem Endlosmanuskripte und bringt Ihnen das Erfolgsgefühl, vorangekommen zu sein und den Überblick zu behalten. Die oft anerzogene Verhaltensweise „eins nach dem anderen" und „immer schön der Reihe nach" ist nicht unbedingt gut für künstlerische und kreative Projekte. Filmleute und Komponisten gehen auch oft achronologisch vor und fahren gut damit.